Astronauten für Kinder: Wie lebt man auf der Raumstation?
Wie essen, schlafen und gehen Astronauten im All aufs Klo? Warum schweben sie? Für Kinder erklärt – mit 16 Sonnenaufgängen am Tag, der ISS live über deinem Ort und wie du Astronaut werden kannst.
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Ein Haus, das um die Erde fliegt
Die Internationale Raumstation, die ISS, ist ein fliegendes Labor etwa 400 Kilometer über unseren Köpfen. Sie ist ungefähr so groß wie ein Fußballfeld, und seit November 2000 leben ohne Pause Menschen an Bord – meist sieben Astronauten gleichzeitig, aus vielen verschiedenen Ländern.
Die ISS rast mit etwa 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde. In der Zeit, in der du dir die Zähne putzt, fliegt sie über 900 Kilometer weit!
Warum schweben Astronauten?
Überraschung: Da oben zieht die Erde fast genauso stark wie hier unten! Die Astronauten schweben, weil die Station und alles darin fällt – die ganze Zeit. Die Station fliegt so schnell zur Seite, dass sie immer um die Erde herumfällt statt auf sie hinunter. Alles fällt gemeinsam, nichts drückt auf den Boden – und das fühlt sich an wie Schweben.
Probier's aus: Wirf einen Ball um die Welt
Wirf einen Ball so weit du kannst – er fliegt im Bogen zu Boden. Könntest du ihn superschnell werfen, mit 28.000 km/h, würde sich die Erde unter ihm genauso schnell wegkrümmen, wie er fällt, und er würde für immer um die Erde fliegen. Das ist eine Umlaufbahn!
16 Sonnenaufgänge und -untergänge an jedem Tag
Die ISS fliegt in etwa 93 Minuten einmal um die ganze Erde. Auf jeder Runde fliegt sie von der Nacht in den Tag – deshalb sehen die Astronauten etwa alle anderthalb Stunden einen Sonnenaufgang.
Alltag im Weltall
Schlafen: Astronauten schlafen in Schlafsäcken, die an der Wand einer winzigen Kabine festgebunden sind. Es gibt kein Oben und Unten, also ist es egal, wie herum sie hängen. Viele tragen eine Schlafmaske – bei 16 Sonnenaufgängen am Tag bleibt es nie lange dunkel.
Essen: Krümel würden herumschweben und in die Maschinen geraten, darum essen Astronauten Tortillas statt Brot. Das Essen kommt in Beuteln und Dosen, manches ist getrocknet und wird mit Wasser angerührt. Salz und Pfeffer gibt es flüssig, denn Körner würden davonfliegen.
Trinken: Das Wasser auf der ISS wird immer wieder aufbereitet: Etwa 98 von 100 Tropfen kommen zurück – sogar aus Schweiß und Urin! Eine Maschine reinigt es so gut, dass man es ohne Bedenken trinken kann.
Aufs Klo gehen: Die Weltraumtoilette funktioniert wie ein Staubsauger: Ein Gebläse saugt alles weg, damit nichts davonschwebt. Astronauten üben schon auf der Erde, wie man sie benutzt!
Fit bleiben: Ohne Gewicht, das man tragen muss, werden Muskeln und Knochen schwach. Deshalb trainieren Astronauten jeden Tag etwa zwei Stunden – auf einem Laufband mit Gurten, die sie festhalten, auf einem Fahrrad ohne Sattel und an einem speziellen Kraftgerät.
Größer werden: Im Weltall drückt nichts die Wirbelsäule zusammen, darum streckt sie sich. Astronauten können bis zu 5 Zentimeter größer werden – aber zurück auf der Erde schrumpfen sie innerhalb weniger Wochen wieder auf ihre normale Größe.
Tränen, die nicht fallen: Wenn ein Astronaut weint, laufen die Tränen nicht über die Wangen. Sie bleiben als wackelige Wasserkugel am Auge kleben, die immer größer wird – und das kann ein bisschen brennen.
Haare waschen: Auf der ISS gibt es keine Dusche. Astronauten waschen sich mit feuchten Tüchern und benutzen ein besonderes Shampoo, das man nicht ausspülen muss. Wasser klebt wie ein Klecks an ihnen, statt herunterzulaufen.
Wo ist die ISS gerade?
Die ISS fliegt immer wieder über deinen Ort. An einem klaren Abend oder Morgen kannst du sie mit bloßen Augen sehen: ein heller Punkt, der schnell und gleichmäßig über den Himmel gleitet, ohne zu blinken. Sie kann heller sein als jeder Stern.
So wirst du Astronaut
Lerne gern: Astronauten sind meist Forscherinnen, Ingenieure, Ärztinnen oder Piloten. Mathe, Naturwissenschaften und Tüfteln sind also super – und Sprachen auch: Auf der ISS spricht man Englisch und Russisch.
Bleib fit und gesund: Du musst kein Spitzensportler sein, aber gesund und fit solltest du sein. Bei der letzten Auswahl der Europäischen Weltraumorganisation ESA mussten die Bewerber zwischen 1,50 und 1,90 Meter groß sein.
Sei ein guter Teamspieler: Auf der ISS lebt eine kleine Crew etwa ein halbes Jahr lang auf engem Raum zusammen. Astronauten müssen ruhig bleiben, einander helfen und lachen können – auch wenn etwas schiefgeht.
Trainieren, trainieren, trainieren: Astronauten trainieren jahrelang: in einem riesigen Schwimmbecken, in dem es sich ein bisschen wie Schweben anfühlt, in Flugsimulatoren und bei Überlebenskursen in Schnee und Wüste – falls ihre Kapsel am falschen Ort landet.
Hab Geduld: Raumfahrtagenturen suchen nur alle paar Jahre neue Astronauten. Bei der letzten europäischen Auswahl bewarben sich mehr als 22.000 Menschen – und nur eine Handvoll wurde ausgewählt.
Berühmte Raumfahrer
Juri Gagarin: Am 12. April 1961 flog der sowjetische Kosmonaut als erster Mensch ins All. Er umrundete die Erde einmal in 108 Minuten.
Walentina Tereschkowa: 1963 flog sie als erste Frau ins All – und umkreiste die Erde in fast drei Tagen 48-mal.
Neil Armstrong: Im Juli 1969 betrat er als erster Mensch den Mond. Bis heute sind nur zwölf Menschen auf dem Mond herumgelaufen.
Sigmund Jähn: 1978 flog er als erster Deutscher ins All und verbrachte eine Woche auf der sowjetischen Raumstation Saljut 6.
Alexander Gerst: „Astro-Alex“ lebte 2014 und 2018 auf der ISS. 2018 war er der erste Deutsche, der die Raumstation als Kommandant leitete.
Rabea Rogge: 2025 flog die Ingenieurin als erste deutsche Frau ins All – auf einem privaten Flug, der als erster über beide Pole der Erde führte.
Tiere im Weltall
Bevor Menschen flogen, flogen Tiere: 1947 Fruchtfliegen, später Affen und Hunde. 1960 umkreisten die Hündinnen Belka und Strelka die Erde und kamen gesund zurück. Heute sind winzige Bärtierchen die Weltraum-Champions: Sie überlebten sogar außen an einem Raumschiff.
Fragen zu Astronauten
Wie hoch fliegt die ISS? Etwa 400 Kilometer über der Erde. Könntest du mit dem Auto und 100 km/h senkrecht nach oben fahren, wärst du in etwa vier Stunden dort.
Wie lange dauert der Flug zur ISS? Die Rakete ist schon nach etwa neun Minuten im Weltall. Danach kommt es auf das Raumschiff an: Die schnellsten Flüge erreichen die Station in etwa drei Stunden, andere brauchen ungefähr einen Tag.
Wie viele Menschen sind gerade im Weltall? Meistens etwa zehn: rund sieben auf der ISS und drei auf der chinesischen Raumstation Tiangong. Manchmal kommen für kurze Ausflüge noch ein paar dazu.
Kann man die ISS von der Erde aus sehen? Ja! An klaren Abenden und Morgen gleitet sie wie ein heller Stern über den Himmel, der nicht blinkt. Du siehst sie nur in der Dämmerung, wenn es bei uns schon dunkel ist, die Station hoch oben aber noch von der Sonne beschienen wird.
Was passiert mit der ISS, wenn sie alt ist? Die ISS soll bis etwa 2030 weiterfliegen. Danach schiebt ein spezielles Raumschiff sie nach unten, damit sie über einer abgelegenen Gegend des Ozeans verglüht. Neue, kleinere Raumstationen werden schon gebaut, um ihren Platz einzunehmen.